Assam

Assam

Dieser Staat im Nordosten Indiens hat beinahe die Größe Deutschlands und besteht im wesentlichen aus dem breiten Tal des Brahmaputra mit seinen hügeligen Randgebieten. Die Landschaft in diesem Flussgebiet ist noch im Urzustand, der Abfluß für die Niederschläge des regenreichsten Gebietes der Welt hat eine Breite zwischen zwei und 10 km. Das Flussbett hob sich in seinem gesamten Verlauf durch Mio. Tonnen von Ablagerungen, so dass bei höherem Wasserstand sofort weite Gebiete überschwemmt werden. Neben der Feuchtigkeit, in den Monaten April - September fallen 90% des Regens (3000 -7500mm pro Jahr), steigen die Temperaturen in der Monsumzeit von 20 auf über 35°C an und verwandeln das Land in eine Art tropisches Gewächshaus.
Diese weite, unwegsame Land wird von ca. 20 Mio. Menschen unterschiedlicher Ethnien bewohnt. Dabei sprechen sie über 100 unterschiedliche Dialekte.
Am Rande der Höhenzüge und auf den höhergelegenen Terassen wird Tee in Plantagen angebaut. In der Ebene wird vor allem Reis, aber auch Zuckerrohr und Baumwolle angebaut. Die großen Teeplantagen liegen auf fast sechs Kilometern Länge auf beiden Seiten des Brahmaputra und stellen damit das größten zusammenhängende Teeanbaugebiet der Welt dar. 60% des indischen Tee wird hier geerntet.


Historisches zum Teeanbau in Assam

Tee war in vielen Gebieten des indischen Subkontinents schon vor Jahrhunderten bekannt. In Bhutan und anderen an Tibet grenzenden Gegenden war der Konsum von chin. Ziegeltee schon vor 200 Jahren verbreitet. Beziehungen zu China waren gut ausgebaut. 1780 brachten Kapitäne der East India Company von ihren Reisen nach Kanton Teesamen nach Calcutta. Das Vorkommen von Tee im einheimischen Dschungel war nur ein Gerücht, denn dieses Gebiet lag so weit entfernt, dass es nur durch eine Reise mit vier Monaten Dauer zu erreichen war. Außerdem verdiente die East India Company an dem Teehandel mit China so gut, dass es kein Interesse gab den Teeanbau in Indien zu fördern.
Zwei Brüder sind für den Teeanbau in Assan von großer Bedeutung: Robert und C.A. Bruce. Robert war Major und Handelsreisender In Assam, sein Bruder Abenteurer, Seemann und später einer der wichtigsten Pflanzer. Sie sollen den Assamesen gegen eine birmanische Invasion geholfen haben, wahrscheinlich leisteten sie den Assamesen im Auftrag der East India Company Hilfe als Wirtschafts- und Militärberater. Robert entdeckte den wildwachsenden Assamteestrauch, C.A. wurde 1836 zum Superintendenten der "Teewälder" in Assam ernannt und legte die ersten Teegärten in Assam an. Im November 1837 kam der erste fertige Tee aus Assam in Calcutta an, hergestellt von chinesischen Arbeitern.
Nach dem Ende der East India Company (deren Besitzungen gingen an die britische Krone über) wurden ihre Gärten in Assam von einer Gesellschaft in London aufgekauft, die Assam Company, die diese Gärten noch heute bewirtschaftet. Dies war ein Novum, denn Tee wurde damals in China nur in kleineren Gärten angebaut und wird heute noch in Japan fast ausschliesslich in Gärten angebaut. Um 1840 also pflanzten die Engländer Tee und entwickelten innerhalb weniger Jahrzehnte die Teeindustrie (mit allen Vor- und Nachteilen der Organisation, Maschinen und Technologie). In Assam wurden die ersten Teeplantagen gegründet.

Tee in Assam

Um 1840 waren die Teeanbaugebiete in China für Europäer nur unter größeren Gefahren zugänglich. Aus Reiseberichten zweier Wissenschaftler (Fortune und Gordon) gibt es endlose Tabellen über Regenmenge, Temperatur, Zusammensetzung des Bodens und der Lage, also wissenschaftliche Untersuchungen über die scheinbaren Voraussetzungen für das beste Gedeihen von Teepflanzen. Im Vergleich zu diesen Daten aus China, man kann es sich vorstellen, war Assam für das Wachstum von Teepflnzen denkbar ungeeignet. Trotzdem wurden von R. Bruce Teepflanzen gefunden, die hervorragend wuchsen, während Samen, die aus China importiert (zwischen 1836 und 1845 unter großen Schwierigkeiten) worden waren, nicht richtig wachsen wollten. Mit viel Lehrgeld wurden hier Anfänger zu Experten, die die Vorzüge der Assamica zu schätzen lernten. 1912 wurde in Jorhat die Tocklai Experimental Station für die Forschung und Entwicklung neuen Pflanzenmaterials gegründet. Vorteile dieser Station liegen auf der Hand: Nähe zu den Plantagen (mitten im Anbaugebiet), Bezug zur Praxis. Dieses Gemeinschaftsunternehmen beschäftigt gute Wissenschftler und wurde von 747 Platangen in Nordindien gegründet. In Bereichen wie Bodenverbesserung , Botanik, Biochemie, Maschinenentwicklung und besonders der in Deutschland mit großem Interesse verfolgten Probelmatik des Umgangs mit Chemikalien - insbesondere Pestiziden, Herbiziden, Fungizieden und auch Kunstdünger - besteht eine kurzfristige Rückkopplung mit den Anwendern. Dazu kommen regelmäßige Tagungen mit Herstellern und Managern, die oftmals auf eine jahrelange Erfahrung zurückblicken können. In Assam sollen die bestausgebildeten Manager am Werke sein.
In Assam leben die Menschen überwiegend auf dem Lande, mehrere Stunden entfernt von der nächsten Stadt (wie: Jorhat, Gohpur, Tezpur und Gauhati). Die Eltern oder Großeltern vieler Arbeiter in der Teeindustrie wanderten aus den Dörfern Zentralindiens oder aus der bengalischen Ebene nach Assam aus, um regelmäßige Arbeit zu finden, und - sehr oft - nicht zu verhungern. Heutzutage erreichen die Generationen ihre Heimatdörfer auf tagelangen Zugfahrten um z.B. das Grab der Familie zu besuchen.

Warum Tee aus Assam?

Die Distrikte dieses Teeanbaugebietes mit 180 000 ha Fläche und 600 km Ausdehnung weichen in der Höhenlage nur unwesentlich voneinander ab, während die Niederschläge und besonders die Bodenverhältnisse oft stark differieren. Dazu kommt auch noch das unterschiedliche Pflanzenmaterial. Ein Experte kann also den gleichen Blattgrad aus der gleichen Produktionswoche den unterschiedlichen Plantagen unterscheiden.
alle Assamtees haben eine volle, kräftige, schwere Tasse. Das Blatt ist fest gearbeitet und hat eine grau-schwarze Farbe. Die besseren Grade haben im Juni (zur "second flush" Periode) einen beachtlichen Anteil an rotgoldenen Tips, die im Verlauf des Jahres ins gelb-goldene Wechseln. Das aufgegossene Blatt und die Tasse sind so extraktreich, dass auch schlechte Wasserverhältnisse diesem Tee kaum etwas anhaben können.
Beim Erkalten färbt sich die Tasse ohne jede Zugabe ins gelblich-rote und wird trübe, die überschüssige Gerbsäure fällt aus. Die kräftige kupferrote Farbe in der Tasse verändert ihren Ton auch bei Zugabe von Milch kaum. Das Aroma erinnert an den Duft von Honig.
Mit dem Einsetzen der heftigen Monsumregenfälle wird die Tasse "tintiger", die Pungency ("Schärfe") verschwindet, und der Geschmack wird langweiliger. Reine Assams aus der Qualitätsperiode werden leider selten unvermischt angeboten. Sie wären ihren Preis wert. Wegen ihrer Fülle und Kraft werden sie gern in Mischungen verwendet, um langweilige Tees aufzubessern. Dadurch wird auch der Preis der Assamtees verringert.

Provinz im Nordosten Indiens. Größtes zusammenhängendes Tee-Anbaugebiet der Erde. Diese Hochebene nördlich und südlich des Brahmaputra ist das regenreichste Gebiet der Welt. Tee: Kräftig, würzig, herb, sahnig, abrahmend.



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