China

China

Im Gegensatz zu den anderen Produktionsgebieten hat sich in China zwischen 1842 (Vertrag von Nangking) und dem Ende der Kulturrevolution vor ca. 25 Jahren nur wenig verändert. Man versuchte an alten Gewohnheiten festzuhalten. Der knapp bemessene Boden wurde nicht, wie in den meisten anderen Ländern Ostasiens plantagenmäßig bebaut, sondern von kleineren Bauern, die daneben noch weitere Erzeugnisse für den Eigenbedarf wie Reis, Gemüse oder Getreide anpflanzten.
Das grüne Blatt wurde von Zwischenhändlern aufgekauft, die es an sogenannte "Hongs" (Teefabriken) weitergaben. Es waren nur wenige Maschinen im Einsatz, das Handrollen und das Feuern in Bambuskörben oder Eisenpfannen ist auch heute noch teilweise üblich.

Die chinesische Klassifizierung:

- Hung Ch´a oder roter Tee
("schwarzer Tee" für den Export)
- Lin Ch´a oder Grüntee
- King Ch´a oder Gelbtee
- Red Brick Tea für Innerasien

Diese Grundtypen wurden je nach Qualität und Verarbeitung, daneben noch nach Herkunft, weiter unterteilt, so dass sich daraus eine Vielfalt an unterschiedlichen Tees ergab. Es wurden etwa 8000 unterschiedliche Tees gehandelt. Die steigende Produktion der britischen Kolonien um 1900 wurden für einige Zeit deutsche und russische Teehandelsfirmen auf dem Markt in China bestimmend. Die Teeausfuhr ging in den 20er Jahren auf ein Viertel zurück; sie lag viele Jahrzehnte bei 100 000 t pro Jahr. Die traditionale Arbeitsweise und die Unruhen im Land, die die Teezufuhr zu den Häfen Kanton, Foochow, Shanghai und Hankow ungeheuer erschwerten führten zu einem Nachteil auf dem Weltteemarkt zugunsten der effektiver arbeitenden indischen und ceylonesischer Plantagen. Der Chinatee verlor an Bedeutung.

Heute? Die Anbaufläche wurde in den letzten 20 Jahren enorm vergrößert. Offiziell wird sie mit 1 Mio. ha angegeben: damit hätte China die Hälfte der Weltanbaufläche. Die Verarbeitung erfolgt häufig in modernenFabriken. Örtliche Kommunen bewirtschaften die alten Felder der traditionellen Anbaugebiete.
Außerdem begann man nach der Kulturrevolution mit der Anlage von Großplantagen (mit Hilfe internationaler Erfahrungen) in Regionen, die früher keinen Tee hergestellt hatten.
So werden in China heute die drei Hauptsorten Tee hergestellt:

Grüner Tee
Schwarzer Tee
Oolong
Aber mit Hunderten von Untersorten unterschiedlicher Qualität und Herkunft. Die tradtionelle Vielfalt der chinesischen Teesorten bleibt also erhalten, und zwar sowohl für den immer steigenden Verbrauch im Land selbst, als auch für den Export. Trotzdem gibt es in China immer noch Tees, die man aufgrund ihrer geringen Produktion nur dort bekommt.
Dadurch ist der chinesische Tee-Markt für die meisten Europäer immer noch ein Buch mit sieben Siegeln, allerdings, so scheint es mir, auch für manchen Chinesen.
Das Pflücken geschieht in China mit einer Sorgfalt, die sonst nirgendwo erreicht wird. Im allgemeinen pflückt man auch dort "two leaves and a bud". Es gibt aber auch bestimmte Sorten (meistens Grünteespezialitäten), für die nur die Tee-Spitzen gepflückt werden (Hiervon benötigt man ca. 25 Stück pro Tasse).
Den Beweis für die Ansicht, dass in China am sorgfältigsten geflückt wird, kann jeder selbst antreten: Geht doch einfach man in einen Teeladen (ich meine einen Teeladen, nicht...) und schaut euch einen chinesischen Tee an. Ihr werdet sehen, dass die Blätter sehr sorgfältig gearbeitet sind. Vergeßt bitte auch beim Vergleich den Preis nicht, denn auch da ist ein chinesischer Tee immer eine Alternative.

Wie kein anderes Land hat China über die Jahrhunderte hinweg die Teekultur geprägt und im allgemeinsten Sinne entwickelt - und zwar alles was mit Tee zu tun hat. Da sind die Erfindungen wie die Teekanne aus Porzellan und die Aromatisierung von Tee nur zwei der herausragendsten Beispiele.
Aber bei uns spielt Tee aus China seit vielen Jahrzehnten nur eine untergeordnete Rolle. Doch bei dem Wort "Tee" ergibt sich doch sofort eine gedankliche Verbindung zum Reich der Mitte. Das liegt daran, dass Tee vor langer Zeit überwiegend aus dem fernen Osten stammte, genauso wie das Teegeschirr, das in Europa nachgearbeitet wurde.

Chinesischer Tee spielte früher eine große Rolle. Dies verdeutlicht eine Tabelle über die Teeimporte nach England im Jahr 1870:

Importe in Pound (=453g)

Gesamt 140 500 000
davon
Indien 14 101 000
Japan 397 000
Aus China:
Congou 99 378 000
Caper 4 265 000
Bohea 11 000
Oolong/Souchong 5 214 000
Orange Pekoe 4 315 000
Hyson 1 409 000
Gunpowder 6 255 000
Young Hyson 4 168 000

Wo wird nun heutzutage in China Tee angebaut?
In allen südlichen Provinzen bis zum 35. nördlichen Breitengrad: von der Insel Hainan im chinesischen Meer bis in die Provinzen Shensi und Honan im Norden. Von Yünnan und Szechuan an der Grenze zu Tibet im Westen bis nach Chekiang im Osten.

China war ca. vier Jahrzehnte (von ca. 1930 -70) teilweise vom Wettbewerb auf dem Weltmarkt ausgeschlossen. Nach der Kulturrevolution stellte man in China fest, dass sich ein Massenmarkt mit gleichartigen Konsumtees entwickelt hatte, der traditionelle Teesorten in den Hindergrund gedrückt hatte. Diesen neuen Bedingungen mußte man sich anpassen. Der Anbau orientierte sich weg vom Kleinbauern und hin zu Kommunen, bzw. sehr großen Staatsfarmen. Die Produktion wurde konzentriert und Maschinen verstärkt eingesetzt.
Die "China National Native Produce and Animal By-Products Import and Export Corporation", die Zweigstellen in allen Provinzen besitzt, rief diese zu besserer Planung Standardisierung auf. Daraus ergaben sich Mischungen von Verschiedenen Gärten mit sehr konstanter Qualität. Dies ist eine Erleichterung für den Händler, da er im Gegensatz zu stark schwankenden Qualitäten unterschiedlicher Plantagen, über große Mengen gleichbleibender Qualität verfügen kann. Daneben schwanken die Qualitäten der Provinzen stark.
In Anhui und auf Hainan wurden riesige Staatsplantagen aufgebeut, die wesentlich zur Ausweitung der Teeproduktion Chinas beigetragen haben.
Nach der Ausdehnung der Anbaufläche wird für die nächsten Jahre mit einem beachtlichen Anstieg des Hektarertrages gerechnet, so dass China wahrscheinlich sowohl der steigenden Inlandsnachfrage, als auch der steigenden Nachfrage nach Konsumtees und Qualitäten aus China aus dem Ausland gerecht werden kann.

Tee-Anbaugebiete in China

Provinzen Teeart District
Anhui Schwarz Dongzhi, Guichi, Quimen
Grün Anqing, Luan, She Xian, Shucheng, Tunki, Xiuning
Anhui stellt die feinsten Keemuns her,
die mit größter Sorgfalt hier geerntet werden.
Fujian Jasmin Fuzhou, Ningde
Oolong Anxi, Chongan, Jianou, Jian, Yang, Yongchun, Zhangzhou
Schwarz Fuding, Fuan, Zhenge
Guangdong Schwarz Hainan, Dao, Yingde
Oolong Shantou
Guizhou Schwarz Shiqian, Meitan, Zunyi
Grün Anshun, Duyun
Henan Grün Xinyang, Xinxian
Hunan Schwarz Anhua, Pingjiang, Shimen, Xinhua
Grün Linxiang, Xiangyin
Hunan stellt, wie Chekiang, Riesenmengen
an Fülltees (die alten Congous) her.
Hubei Schwarz Chang, Yang, Enshi, Yidu
Grün Huanggang, Xiangfan, Xiaogan
Jiangsu Schwarz Jintan, Lishui, Liyang, Yixing
Jiangxi Schwarz Jingdezhen, Xiushui
Grün Shengrao, Wuyuan
Szechuan Schwarz Fuliang, Junlian, Nanchuan, Yibin
Grün Leshan, Qionglai
Szechaun stellt neben dem Ziegeltee,
für Zentralasien sehr feine Sorten der Keemuns her.
Shaanxi Grün Ankang, Hanzhong, Ziyang
Yunnanq Schwarz Fengqing, Lincang, Menghai
Pu-Erh Puer, Simao
In Yünnan werden Hochlandtees mit
eigenem Charakter, Tips und voller Tasse hergestellt.
Zhejiang Grün Anji, Chunan, Hanghou, Kaihua, Linan, Shengxian, Taishun
Schwarz Shaoxing, Zhenhai

Zentral- und südchinesische Bergprovinzen produzieren u.a. Yunnan, Keemun, Jasmin, Lapsang Souchong, Panyong Pingsuey und Szechwan. Außerdem eine Vielzahl herrvorragender grüner Tees.



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