Darjeeling

Darjeeling

Kurz

Distrikt an den Südhängen des Himalaya-Gebirges. Bis 2500m hoch gelegene Teegärten liefern die bestbezahlten Teesorten der Welt. Tee aus Darjeeling wird nach verschiedenen Pflückperioden unterschieden:
first flush: Frühjahrstee, zart blumig duftend. Erntezeit März-Mai.
inbetween: Mild und spritzig. Erntezeit Mai, zwischen First und second flush.
second flush: Hocharomatisch und vollmundig. Erntezeit juni-Juli
autummnal: Herbsttee, blumig, etwas dünner in der Tasse als second flush, bräunliches Blatt.
end of seasons: Letzte Pflückung im November. Qualitativ für den europäischen Markt unbedeutend.

Ausführlich

Im Norden des indischen Subkontinents, jenseits der gewaltigen Stromebenen des Brahmaputra und des Ganges erheben sich abrupt die Gebirgsreihen des Himalya als gigantische Felsmauern.
Hier liegt Darjeeling (Darjeeling ist eigentlich kein Gebiet, sondern ein kleines Städtchen mit Namen Darjeeling gab dem Gebiet seinen Namen.) in den Vorbergen, die eine Höhe von bis zu 3000 m erreichen. Die, für europäische Verhältnisse doch hohen, Berge wirken winzig vor dem "Hausberg" von Darjeeling und Sikkim, dem 8579 m hohen Kanchenjunga, dessen schneebedeckte Gipfel aus der Ebene bei klarem Wetter aus mehr als hundert Kilometern erkennbar sind.
Der Weg nach Darjeeling führt seit eh und je aus den Ebenen durch die teils sumpfigen Terassen des Terai-Gebietes auf sich ewig windenden, schmalen Straßen auf die Höhe von über 2000 m.
Jeder Liter Heizöl für die Fabrikation des Tees, jeder Sack Reis für die Bevölkerung von über einer Million Menschen nimmt den gleichen Weg. Genauso umgekehrt muß jede Teekiste die gleichen Haarnadelkurven überwinden, bevor sie auf die Auktion gelangt. Eine Eisenbahn, über 100 Jahre alt, ist fast immer durch Muren außer Betrieb gesetzt.
Nicht nur durch seine natürlichen Gegebenheiten ist Darjeeling eine Besonderheit. Auch der seit 130 Jahren dort geerntete Tee hat einen eigenen Charakter und läßt sich so nirgendwo auf der Welt herstellen. Die Gründe, dass dieser Tee je nach Jahreszeit ein eigenes unterschiedliches Flavour besitzt, geben immer noch ein Rätsel auf. Wahrscheinlich liegt das Ergebnis im Zusammenwirken unterschiedlicher Faktoren wie Klima, Höhenlage, Dauer und Intensität der Sonneneinstrahlung, Bodenbeschaffenheit, botanischer Typus der Teeebüsche und möglicherweise sogar der Luft. Wahrscheinlich sind für die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen der Tees auch die Bakterien "schuld", die bei der Fermentation eine Rolle spielen.
In Darjeeling werden nur zwei Prozent des indischen Tees produziert, wovon wiederum nur 15% ausgesprochene Qualitätstees sind.
Im Juni setzen die heftigen Monsumregen ein. In dieser regenreichen Periode, in der es manchmal nur so schüttet und die Berge wochenlang in Nebel und Wolken liegen, fällt im Vorhimalaya der Großteil der Gesamtregenmenge von 3000 - 5000 mm. Die Winter sind sehr trocken.
Die Teequalität sinkt mit Beginn dieser Regenfälle besonders schnell ab, das Wachstum beginnt aufgrund der Feuchtigkeit und Wärme zu explodieren, die Sonneneinstrahlung fehlt. Schlechte Voraussetzungen für einen guten Tee. In diesen drei Monaten wird über die Hälfte des Tees geerntet, der qualitativ ohne Probleme von anderen Produtionsstätten übertroffen wird, deshalb erzielen diese Konsum- oder Regentees auch nur Bruchteile des Preises, der für Tees der gleichen Plantagen wenige Monate zuvor auf den Auktionen bezahlt wurde. Ein Großteil dieser Ernten wird in Indien selbst konsumiert. Im Oktober wird es kühler und die Sonneneinstrahlung erfolgt reglmäßig. Das Wachstum des Busches erfolgt langsamer, die Qualität steigt an: es ist die Zeit der "Autumnals". Sie haben eine leichte Tasse mit wenig Gerbstoffen und ein zartes, liebliches Aroma.

Alle Gärten in Darjeeling wurden vor etwa 100 Jahren angelegt. Seitdem hat sich dort grundsätzlich wenig geändert, verglichen mit anderen Anbaugebieten. Schwierige geographische Gegebenheiten mit schmalen Tälern und Hanglagen mit 60 -70% Neigung beeinträchtigen auch heute noch das Pflücken, den Transport und führen während der extremen Monsunregen zu einer hohen Bodenerosion. Manche Teebüsche sind über hundert Jahre alt und bringen ein delikates typisches Darjeelingaroma, aber der Ertrag beläuft sich nur auf ca. 500 kg pro Jahr - ein bißchen zu wenig um rentabel zu sein. Nun werden diese alten Pflanzen gerodet und druch neue Hybriden ersetzt, die einen doppelten Ertrag erzielen und auch während der Regenzeit ein passables Ergebnis. Nur fehlt ihnen das typische Aroma der first und second flush Periode.
Im Vergleich zu den Teeländern, die in der Nähe des Äquators liegen hat Darjeeling nur eine kurze Pflückperiode. Im Winter wachsen die Triebe nicht. Die Erntesaison beginnt Mitte März nach den ersten leichten Regen des Frühjahrs. Diese ersten Ernten nennt man "first flush". Die Tasse hat eine hellgelblich-kupferrote, spritzig, frische Tasse und ein duftiges, intensives Aroma. Die Aromafülle geht von Pflückrunde zu Pflückrunde zurück. Die "first flush" Periode endet spätestens gegn Mitte April. Dann werden etwas weniger "spritzige" Tees mittlerer Güte geerntet, die "in Between-Tees". Ende Mai steigt die Qualität wieder an von Woche zu Woche bis zum Höhepunkt der "second flush" Ernte in den ersten Juniwochen. Die wenigen Vintage-Tees variieren je nach Jahr zwischen wenigen hundert und einigen Tausend Kilo erzielen Höchstpreise.


Blattsortierung bei Darjeeling-Tees

In den Jahren vor dem 2. Weltkrieg war das Blatt grüber und wurde sorgfältiger behandelt.
Die Absiebungen bezeichnete man wie folgt: Die Blattgrade waren:
Flowery Orange Pekoe
Orange Pekoe
Pekoe
Pekoe souchong
Die Brokengrade waren:
Broken Orange Pekoe
Fannings
Dust
Jeder Grad war um mindestens 50% gröber als heute, die Ergiebigkeit litt natürlich darunter, der Gerbstoffgehalt war geringer, aber das Aroma intensiver.
Heute wird das Blatt kleiner gearbeitet, das grobe Blatt gecuttet und nicht gesondert verarbeitet. Aus dem Blattgrad wird aus Ertragsgründen möglichst wenig Broken abgesiebt, so dass er teils bis zu 20% Brokenpartikel enthält. Dadurch wird nicht nur das Aussehen verändert, es verändert ist natürlich auch die Tasse. Als Faustregel bleibt festzuhalten: je ungleichmäßiger das Blatt, desto geringer die Qualität.

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