Tee in Europa

Erste Kunde von Tee...
...brachten die Araber um 900 nach Europa, als sie von Zöllen auf diese Ware berichteten. Ähnlich Marco Polo 1285, der von einem chinesischen Finanzminister berichtete, der abgesetzt wurde, weil er die Teesteuer erhöhen wollte. Aber weder die Araber, noch Marco Polo oder andere Asienreisende brachten Tee von Asien nach Europa.
1514 kannte man in Lissabon die Ananas, 1517 den Kaffee und das Färbemittel Indigo und spätestens 1550 die Orange. Tee als Getränk war noch nicht bekannt. Die Reiseberichte des Holländers van Lindschooten von 1595/96 sind bemerkenswert für die Teegeschichte Europas, weil sie die ersten Augenzeugenberichte über japanischen Tee und Teesitten enthalten.

Tee erreicht Europa
Eine kleine Menge Tee aus Japan erreichte über Java, auf dem Seeweg, 1610 die Niederlande. In Osteuropa begann die Teetradition mit einer Karawane, die 1618 in Rußland eintraf.
Tee wurde in Europa schnell bekannt, allerdings eher als Medizin, als als wohlschmeckendes Getränk. Da die Niederlande nach dem Dreißigjährigen Krieg ca. zwei Drittel aller Segelschiffe besaß und bis weit in das 18. Jh. hinein Beherrscher der Meere und des Handels waren, ist es nicht verwunderlich, dass die heutigen Teetrinkernation England, den Tee nicht direkt aus China, sondern über die Niederlande erhielt.
Gefördert wurde der Teekonsum vor 300 Jahren v. a. durch zwei Umstände:
1. Ärzte empfahlen Tee als gesundheitförderndes Getränk. (Bekanntester Vertreter: Cornelius Bontekoe)
2. Die Höfe und der europäische Adel hielt Tee für das "In"-Getränk. Dies wurde von unteren Gesellschaftsschichten je nach Geldbeutel nachgeahmt.
Tee wurde damals als Heilmittel in Apotheken verkauft. In den Niederlanden hatte schon seit 1637 jedes Schiff die Order, eine gewisse Menge Tee zu laden.

Im gleichen Jahr ankerten die ersten vier englischen Segeler vor Kanton. 1644 handelten englische Kaufleute in Amoy in der Nähe der Teeanbaugebiete und lernten das Wort "tè" (im dortigen Dialekt) kennen und schrieben es "tea". Die Einfuhr von Tee erfolgte, bis zur Aufhebung des Monopols 1833, ausschließlich durch die East India Company.

Einfuhr von Tee aus China nach England:


1670 32 kg
1685 5.476 kg
1711-1720 pro Jahr 1.200.000 kg
1751-1760 11.737.000 kg
1801-1810 109.092.000 kg

Durch die napoleonischen Kriege kommt es zu einer rasanten Zunahme der Teeinfuhr. Nur noch England hatte die Möglichkeit zum Handel mit China.

Vom 16.-18. Jh. benötigten europäische Segelschiffe mehrere Monate für die Strecke Europa-Ostasien-Europa. Verluste durch Piraten und Unwetter waren sehr groß. Sicherheit ging vor Schnelligkeit. Erst 1850 kam ein Teehändler auf die Idee Reklame zu machen, indem er "shipped by John O. Gaunt" (ein schneller Segler, gehörte den Gladstones in Liverpool) auf Teekisten schreiben lies. Der Schiffbau erwickelte sich Mitte des 19. Jh. sehr schnell. Die amerikanischen Klipper waren an Schnelligkeit allen überlegen. Von 1849 an durften die amerikanischen Klipper von China aus direkt in London anlegen. 1850 dauerte normalerweise die Reise von China nach London 160-200 Tage. Im selben Jahr legte ein amerikanischer Klipper schon nach 97 Tagen in London an. Diese 1500 Tonnen Tee erzielten eine Prämie von über zwei Pfund pro Tonne. In den folgenden Jahren wurden "Teerennen" zwischen Klippern abgehalten. Grund hierfür waren:
1. Geschäftsinteresse; wie oben gesehen, wurden die am schnellsten nach Europa gebrachte Fracht sehr hoch vergütet.
2. Ruhm.
1855/56 wurde erstmalig der Tee direkt verschifft, wodurch schon im Oktober desselben Jahres der diesjährige Tee in Europa angeboten werden konnte.
1866 kam es zum spannensten Rennen in der Geschichte der Teerennen. Die beiden ersten Schiffe ("Ariel" u. "Teaping") eines, mit zehn Schiffen gestarteten Rennens, erreichten im Abstand von nur zehn Minuten die Downs, wo sie von Dampfschleppern übernommen wurden. Die Teaping gewann, weil sie als erste einen Schlepper bekam.
Die Zeit der Teeklipper endete mit der Eröffnung des Suezkanals. Der Seeweg wurde um 12700 km verkürzt; die Dampfschiffe übernahmen die Aufgabe Tee nach Europa zu bringen.

Ergänzung:
Die Konkurrenz um den Tee war so groß, dass die Rennen mit größter Vehemenz durchgeführt wurden: Schnelligkeit war das einzige, was zählte, die Clipper konnten also gar nicht genug Segel setzen - sie wurden übertakelt: Die Rahen wurden bis weit über die Reeling hinaus verbreitert, um noch mehr Segel setzen zu können. So gingen einige dieser Clipper verloren: Sie sanken - oder besser: Sie wurden in Grund und Boden gesegelt; "wurden": Bei zu starkem Seegang rammte sich das Schiff, wenn es vorne zu tief ins Wasser eintauchte, in die Tiefe.
Der letzte und wahrscheinlich berühmteste Teeclipper ist in London zu bewundern, genauer gesagt in Greenwich, direkt am Ausgang des Fußgängertunnels unter der Themse, in der Nähe des Royal Naval College und des National Maritime Museum. Einfachste Anfahrt: Mit der Dockland Light Railway von Bak oder Tower Hill bis Island Garden, dann ein paar Schritte zum Themsetunnel (ist ausgeschildert) und dann unter dem Fluss hindurch.


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